Wie schwer darf ein Ranzen sein?

veröffentlicht am 4. Januar 2016 in Magazin von

Viele Eltern werfen morgens kritisch einen Blick auf ihr Schulkind, wenn es zur Tür hinausgeht – der Ranzen ist nicht selten tonnenschwer und muss förmlich zur Schule geschleppt werden. Jeder kennt den Anblick der zierlichen Erstklässler, die unter ihrer Schultaschen bzw. ihrem Rucksack zu verschwinden scheinen.

Zu schwere Schulranzen – ein gängiges Problem

Rucksack, SchülerSchätzungen zufolge sind hierzulande etwa neunzig Prozent der Schultaschen zu schwer für ihren Träger bzw. ihre Trägerin. Doch Kinder und Jugendliche sind keine Lastentiere. Aus diesem Grund warnen auch immer mehr Orthopäden vor der Gefahr zu schwer bepackter Ranzen. Denn schon im Grundschulalter können durch die einseitige Belastung von Wirbelsäule und Rückenmuskulatur Haltungsfehler entstehen, die später schwer zu korrigieren sind, wenn sie sich erst einmal eingeschlichen haben. Durch das zu hohe Gewicht im Schulranzen bilden viele Kinder beim Tragen automatisch ein Hohlkreuz. Da sich Kinder und Jugendliche im Wachstum befinden, kann dies besonders schädliche Auswirkungen haben. Gerade auch die Bandscheiben werden durch zu schwere Schultaschen und daraus resultierende Verkrümmungen der Wirbelsäule stark in Anspruch genommen – das kann im Erwachsenenalter zu Rückenschmerzen führen. Klagen Ihre Kinder wiederholt über Rückenschmerzen, sollten Sie diese Warnsignale unbedingt erst nehmen. Dazu kommt, dass sich unsere Kinder immer weniger bewegen, d.h., Rücken- und Rumpfmuskulatur sind an sich schon weniger gut ausgeprägt und halten Fehlbelastungen schlechter stand.

Doch das muss nicht sein, denn es gibt eine ganze Reihe sinnvoller Maßnahmen, wie Sie ein zu hohes Gewicht des Ranzens vermeiden und so der Gesundheit Ihres Kindes einen wertvollen Dienst erweisen können.

Was kann ich tun, damit der Ranzen nicht zu schwer wird?

Eine Faustregel besagt, dass das Gewicht der Schultasche maximal zehn bis zwölf Prozent des Körpergewichts ihres Trägers betragen sollte. Das bedeutet, dass der Ranzen eines Grundschülers mit 35 Kilogramm Körpermasse nicht schwerer als dreieinhalb bis vier Kilogramm sein sollte. Im Zweifelsfall sollten Sie also sowohl Ihr Kind als auch den Schulranzen einmal auf die Waage stellen! Die folgende Tabelle gibt Ihnen einen Überblick über das Maximalgewicht des Schulranzens in Abhängigkeit vom Körpergewicht des Kindes.

Wie schwer darf ein Ranzen sein

Körpergewicht des Kindes

Ranzenhöchstgewicht

Körpergewicht von 18 bis 23 kg

Ranzenhöchstgewicht zwischen 2,2 u. 2,8 kg

Körpergewicht von 24 bis 28 kg

Ranzenhöchstgewicht zwischen 2,9 u. 3,4 kg

Körpergewicht von 29 bis 33 kg

Ranzenhöchstgewicht zwischen 3,5 u. 4,0 kg

Körpergewicht von 34 bis 38 kg

Ranzenhöchstgewicht zwischen 4,1 u. 4,6 kg

Körpergewicht von 39 bis 43 kg

Ranzenhöchstgewicht zwischen 4,7 u. 5,2 kg

Körpergewicht von 44 bis 48 kg

Ranzenhöchstgewicht zwischen 5,3 u. 5,8 kg

Körpergewicht von 49 bis 53 kg

Ranzenhöchstgewicht zwischen 5,9 u. 6,4 kg

Körpergewicht von 54 bis 58 kg

Ranzenhöchstgewicht zwischen 6,5 u. 7,0 kg

Das A und O, um einem zu hohen Gewicht der Schultasche entgegenzuwirken, ist dabei das richtige Packen. Am besten orientieren Sie sich dabei am Stundenplan Ihres Kindes: Je nachdem, welche Fächer am nächsten Tag anstehen, müssen die dafür benötigten Materialien eingepackt werden und andere Bücher, Hefte u.ä., die nicht gebraucht werden, herausgenommen werden. Dies bedeutet natürlich, dass das Kind seinen Ranzen täglich neu packen muss. Am Anfang sollten Sie ihm dabei helfen, damit es richtig aus- und einsortieren lernt. Nicht benötigte Schulsachen sollten ordentlich in einem Regal oder einem Ablagefach des Schreibtischs untergebracht werden – so fällt es Ihrem Kind leichter, Ordnung zu halten und es findet seine Materialien auch schneller. Als Zeitpunkt für das Umpacken des Schulranzens ist am besten der Vorabend geeignet, um so Schritt für Schritt durchzugehen, was für den nächsten Schultag gebraucht wird. So können Sie auch hektisches Einräumen am frühen Morgen vermeiden.

Übrigens kann es darüber hinaus sinnvoll sein, sich mit dem Banknachbarn abzusprechen, wer wann welches Buch in die Schule mitbringt, insbesondere, wenn es sich beispielweise um schwere Lesebücher oder Atlanten handelt – auch so kann Gewicht eingespart werden. Beim Packen selbst sollte bedacht werden, dass das Gewicht gleichmäßig auf der linken und rechten Seite verteilt wird. Schwere Gegenstände sollten dabei immer hinten, d.h. am Rücken verstaut werden, leichtere Materialen finden im vorderen Bereich ihren Platz.

Zum richtigen Bepacken des Schulranzen gehört des Weiteren dazu, dass Sie mit Ihrem Kind besprechen, welche Dinge besser nicht in die Schule mitgenommen werden sollten. Denn manch einer trägt ordentlich Ballast mit sich herum: Spiele, Comics, Karten, Kuscheltiere, Handyzubehör etc. nehmen nicht nur Platz weg, sondern machen sich in der Summe auch beim Gewicht bemerkbar. Dazu zählen ebenso große Getränkeflaschen – erkundigen Sie sich, ob es vielleicht praktischer ist, wenn Ihr Kind sich sein Getränk vor Ort in der Schule kauft.

Wie wird der Schulranzen richtig getragen?

Aus gutem Grund verfügen Schulranzen über zwei Schultergurte, sie sollten daher auch beide zum Einsatz kommen. Denn das Benutzen nur eines Gurtes mag zwar cooler und lässiger wirken, führt allerdings zu einer starken Fehlbelastung der Wirbelsäule. Der Ranzen sollte direkt am Rücken anliegen, so ist der beste Tragekomfort erreicht. Außerdem sollte die Schultasche nicht in der Hand getragen werden, da es dann zu einer schiefen, verkrümmten Haltung des gesamten Körpers kommt. Besonders geeignet sind Ranzen mit einem gepolsterten, ergonomisch geformten Rückenteil, das der natürlichen Form der Wirbelsäule angepasst ist und deswegen zudem als sehr bequem empfunden wird. Je breiter übrigens die Tragegurte, desto besser, da das Gewicht gleichmäßig über den Rücken verteilt wird und die Gurte den Träger nicht einschneiden.

Als Alternative zu den üblichen Schulranzen sind Sportrucksäcke bei Kindern und insbesondere Jugendlichen sehr beliebt, allerdings sind sie nicht empfehlenswert. Zwar sind sie sehr leicht, besitzen aber zu wenig Polsterung und können aufgrund ihrer geringen Eigenstabilität das Gewicht nicht gleichmäßig über den Rücken verteilen.


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